Geschichte
Das "Haus zum Merkur" besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil wurde 1903 fertig gestellt und prägt die See- und Bahnhof-Seite in Wädenswil an der Bahnhofstrasse / Merkurstrasse. Das Haus diente lange als Wohnhaus für die Mitarbeiter der Tuchwarenfabrik Wädenswil. Heute sind dort einige Ärzte und Büros domiziliert.
Das damahls direkt daneben befindliche Hotel du Lac ist heute durch einen von der Seestrasse bis zur Bahnhofstrasse reichenden Baukörper weiter Richtung Richterswil versetzt.
Mit Baujahr 1906 ist auch der der Südteil vom Haus zum Merkur im späten Jugendstil erbaut.
Die zwei mächtigen Türme mit den Ornamenten aus Sandstein zeugen von der Idee des Hauses
Das Haus zum Merkur wurde nicht nur nach dem Gott des Handels "Merkur" benannt, sondern diente von Anfang an als Kaufhaus.
Das Erste auf der linken Seeseite! Mit einem mechanischen Lift notabene! (Es waren kräftige Männer zur Bedienung nötig)
Im Laufe der Zeit:
- 1901
Der Kaufmann Eugen Theiler- Billeter veräussert der Kollektivgesellschaft Kellersberger & Zimmermann, Baugeschäft in Wädenswil, zwei beim Bahnhof Wädenswil gelegene ältere Wohnhäuser mit Umschwung.
- 1902/03
Auf dem Platz der beiden abgebrochenen Altbauten erstellt diese Firma ein grosses Doppelwohnhaus mit elektrischer Beleuchtungsanlage, den seeseitigen Teil des heutigen Hauses Merkur.
- 1905
Emil Kellersberger und Abraham Zimmermann, deren gemeinsame Firma 1904 erloschen ist, verkaufen dem im Nachbarhaus («Fortuna» Seestrasse 106) wohnenden Kaufmann Johannes Schubiger «zur Fortuna» in Wädenswil einen 546 m2 grossen Bauplatz oberhalb ihrer Merkurhäuser. Der Käufer geht folgende Bedingungen ein: Auf der Parzelle wird sofort ein Geschäftshaus erstellt, das auch eine Etage Wohnräume enthält. Das Gebäude «soll in der äusseren Architektur dem Gebäude zum Merkur zum Mindesten nicht nachstehen». Erd-, Fundations-, Maurer-, Steinhauer-, Zement-, Verputz- und Gipserarbeiten sind zu ortsüblichen Tagespreisen an die Firmen Kellersberger & Zimmermann zu vergeben.
- 1906
Das Wohn- und Geschäftshaus Merkur des Herrn Schubiger wird eröffnet. Es enthält u. a. einen mechanischen Personenaufzug, den ersten Lift in Wädenswil und am linken Zürichseeufer.
- 1909
Kaufmann Johannes Schubiger vermietet dem Kaufmann Leonhard Ascher in Wädenswil «zur Betreibung eines Warenhauses» im neuen Merkur das Parterre und die 1. Etage, einen Keller im Souterrain und für das Warenlager einen Teil des 5. Stocks. Die Familie Ascher bezieht die Vierzimmerwohnung im 3. Stockwerk.
- 1911
Johannes Boesch- Schubiger in Zürich ersteigert den oberen Teil des Merkurs aus der Konkursmasse des Johannes Schubiger.
- 1918
Johannes Boesch verkauft sein Wohn- und Geschäftshaus, das zusammengebaut ist mit dem 1902 erstellten, nun Karl Büchi- Keller und Julius Herdener gehörenden Merkur, an die Konsumgenossenschaft Einwohnerverein Wädenswil. Diese richtet in der Folge im Parterre (Südecke gegen die Seestrasse), einen Lebensmittel-Verkaufsladen ein.
(Heute ist hier der Coiffeur Capelli Hair- Design beheimatet.)
- 1947
Das Wohn- und Geschäftshaus Merkur, oberer Teil, geht durch Kauf an die Firma Mantel & Cie. über. Sie betreiben über Jahrzehnte einen Stoff und Kleiderhandel im Parterre, ersten und 2. Stock, lange Jahre davon mit Damen- und Herrenkleider grosser internationaler Mode-Labels.
Im ersten Stock ist heute die Coiffeurschule CBA Capelli Beauty Academy AG domiliziert und bildet hier jährlich 15-20 Personen als Damen- und Herren- Coiffeur aus.
Im 2. Stock ist die Kita rehkids untergebracht. Eine quicklebendige Truppe mit ihren Betreuerinnen.
- 1980
Die Mantel & Cie. lässt das Erdgeschoss und den ersten Stock zu einem Shop- in Shop- Konzept umbauen. Leider wird dieses Konzept von den Unternehmern in Wädenswi nicht angenommen.
- 1985
Das Haus wird als Kapitalanlage von der Oerlikon Bührle Pensionskassa gekauft.
- 1992
Innenrenovation und Umbau, begleitet von der lokalen und kantonalen Denkmalpflege.
- 2003
Das Haus wird von der Familie Gabrieli erworben und total originalgetreu und zeitaufwendig bis ins Dachgeschoss renoviert. Das reich mit Stukaturen ausgestattete Dachgeschoss wird heute als Loft-Wohnung mit dem grössten Grundriss genutzt. Einzig das sehr viel Platz und Technik (Brandschutz) benötigende Atrium, vom Restaurant bis zum Glasdach in 5. Stock, muss zugunsten von Wohnraum weichen. Der den Wohnungen zu gunsten kommende Raum wird natürlich mit den originalen Stuckaturformen ausgeschmückt. Das Treppenhaus mit den schönen Geländern wird mit Granit ausgelegt und bleibt im Originalverlauf erhalten.
- 2009
Das Haus wird von der Familie Gabrieli an eine Wädenswiler Familie verkauft, die dem Hause und den darin wohnenden und arbeitenden Menschen Sorge trägt. Nötige Renovationen und Reperaturen werden von ihnen mit Sorgfalt und dem Bauwerk sorgetragend ausgeführt. Nur Handwerker aus der nächsten Umgebung werden dazu verpflichtet.
- 2011
Das Glasdach wird mit einer wärmeisolierenden Doppelverglasung und thermisch isolierten Profilen auf die aus dem Jahre 1906 erstellten Stahlkonstruktion aufgesetzt. Gleichzeitig werden die Seitenwände, die zur Loftwohnung im 5. Stock anschliessen, mit mehrschichtiger, hocheffizienter Wärmedämmung isoliert.
- 2012
Das Haus wird mit einer der Bausubstanz angepassten Solaranage ausgestattet und der produzierte Strom dem Haus zur Verfügung gestellt. bis zum häutigen Tage, 11/2021 wurden immerhin 48,8Mw produziert.
Text:
Peter Ziegler, Rundgang I durch Wädenswil, Wädenswil 1989, S. 62 – 64, Text
Prof. Dr. Peter Ziegler, 06. 01. 2005
Manfred Engelhardt, 22.02.2009 bis heute